30. April 2026
Unseren Flüssen und Bächen geht es schlecht. Eine Beschleunigung im Wasserschutz ist absolut notwendig, denn es geht um nichts weniger als unsere Lebensgrundlage. Und eigentlich waren die Voraussetzungen noch nie so gut wie heute: Die notwendigen Analysen und Handlungsbedarfe liegen auf dem Tisch. Die Regierung kann auf eine sehr gute Grundlage der Vorgänger-Regierungen aufbauen. Und außerdem haben der Umweltminister, der sich gerne als ambitioniert gibt, und die Landwirtschaftsministerin, die einen guten Zugang zum Sektor hat, dieselbe Parteikarte.
Dass dennoch in den letzten 2,5 Jahren nichts Wesentliches geschehen ist, liegt also nicht am mangelnden Wissen oder an den fehlenden Möglichkeiten, sondern am politischen Willen der Regierung. Statt die bekannten Probleme entschlossen anzugehen, redet die Regierung bestehenden Zielkonflikte zwischen wirtschaftlicher Entwicklung, Landwirtschaftsmodell und Wasserschutz klein.
Landwirt*innen werden alleine gelassen
Die Fakten zeigen eindeutig, dass es zusätzliche und wirksamere Maßnahmen braucht, um den Eintrag von Nährstoffen und Pestiziden aus der Landwirtschaft in unsere Gewässer deutlich zu reduzieren. Doch die Regierung scheint kein Interesse daran zu haben, Landwirt*innen, die im Sinne des Wasserschutzes arbeiten wollen, stärker zu unterstützen. Gleichzeitig schließt sie jedoch auch eine Verstärkung der Regeln aus. „Wir sehen hier einen grundlegenden Widerspruch: Die Regierung will den Wasserschutz verbessern, verweigert aber die politischen Entscheidungen, die dafür notwendig wären. Am Ende trifft diese Politik sowohl die Gesellschaft als auch die Landwirt*innen, die bei der Bewältigung der Herausforderungen weitgehend allein gelassen werden“, kommentiert Joëlle Welfring.
Für déi gréng ist klar: Der Stellenwert des Wasserschutzes muss in der Landwirtschaftspolitik weiter gestärkt werden. Denn sauberes Wasser und eine intakte Artenvielfalt sind zentrale Voraussetzungen für die landwirtschaftliche Produktion und nützen sowohl den Betrieben als auch der Natur. Öffentliche Gelder müssen so eingesetzt werden, dass sie messbare Verbesserungen beim Wasserschutz und bei der Biodiversität bewirken. Neben kurzfristigen Maßnahmen muss dies ein Fokus der Arbeiten zur Ausrichtung der Landwirtschaftspolitik nach 2027 sein. Gleichzeitig müssen die nötigen personellen und finanziellen Ressourcen mobilisiert werden, um die Umsetzung wirksam zu kontrollieren und voranzutreiben.
Ressourcenschutz als Motor für innovative Industriepolitik
Auch in der Industriepolitik zeigt sich ein ähnliches Problem: Die Grenzen unserer Wasserressourcen werden noch zu wenig konsequent berücksichtigt. Dabei ist klar, dass Wasser kein unbegrenzt verfügbarer Produktionsfaktor ist. Neue industrielle Projekte müssen an den realen physikalischen Kapazitäten unseres Landes angepasst sein, und nicht umgekehrt.
Genau darin liegt aber auch eine Chance: Luxemburg kann sich als Standort für besonders effiziente, innovative und ressourcenschonende Industrieprojekte positionieren. Das setzt voraus, dass gezielt solche Aktivitäten angezogen und gefördert werden, die geschlossene Kreisläufe nutzen und Wasserverbrauch sowie Verschmutzung so weit wie möglich reduzieren. So können echte Vorzeigeprojekte entstehen. Eine zukunftsfähige Industriepolitik kann es nur im Rahmen der natürlichen Ressourcen unseres Landes geben, und genau das ist eine Stärke.