11. September 2026
Kohärenz und Konsequenz statt Zögerlichkeit und Widerspruch
Kurskorrektur in der Klimapolitik: jetzt!
Rauch von Waldbränden, der bis in unsere Wohnzimmer zog, bedrohte artenreiche Natur- und Lebensräume, ausgetrocknete Wiesen und eingeschränkte Ernten, heiße Schlafzimmer, Schulen, Kliniken und Altenheime. Die letzten Monate haben deutlicher denn je gezeigt, dass die Klimakrise längst hier in Luxemburg angekommen ist. Sie ist keine abstrakte Zahl oder ferne Prognose. Ihre Auswirkungen sind in unserem Alltag konkret spürbar und verändern die Bedingungen, unter denen wir leben, arbeiten, lernen, und unsere Freizeit verbringen.
Dennoch sind wir dieser Entwicklung nicht hilflos ausgeliefert. Denn gleichzeitig erleben wir einen enormen technologischen Wandel: Solar- und Windenergie, Batterien, Wärmepumpen und Elektromobilität sind längst Realität und entwickeln sich rasant weiter. Die Möglichkeiten, uns von Öl und Gas unabhängig zu machen, und gleichzeitig die Natur zu stärken und uns besser vor den Folgen der Klimakrise zu schützen, waren noch nie so groß wie heute.
„In den letzten Monaten haben wir die Klimakrise in unserem Alltag gespürt wie selten zuvor. Aber wir sind ihr nicht hilflos ausgeliefert. Die Lösungen sind da und werden immer besser und billiger. Jetzt kommt es darauf an, sie auch zu nutzen“, resümiert Joëlle Welfring.
Regierungspolitik ohne Richtung
Die Regierungsparteien haben Umwelt- und Klimaschutz in den vergangenen Jahren immer wieder kleingeredet oder zum Sündenbock für andere Probleme gemacht. Die Haltung spiegelt sich auch in ihrer Regierungspolitik wider.
Statt eine klare Richtung vorzugeben, verliert die Regierung sich beim Klimaschutz in einer „Gadget-Politik“: einzelne Beihilfen, Prämien, Pilotprojekte, Ausnahmen, ohne erkennbaren roten Faden. Fossile Subventionen und steuerliche Vorteile für Hybridfahrzeuge stehen weiterhin im Widerspruch zum Bekenntnis zu einer ambitionierten Klimapolitik. Gleichzeitig werden die Beihilfen für Elektrofahrzeuge zurückgefahren und die energetische Renovierung unnötig erschwert.
„Wenn Regierungsparteien Umwelt- und Klimaschutz jahrelang schlechtreden, ist es kein Wunder, dass ihnen heute der politische Wille für einen klaren Kurs fehlt. Das Ergebnis ist eine Klimapolitik voller Widersprüche, die Menschen und Betrieben die nötige Planungssicherheit nimmt, um heute die richtigen Entscheidungen für morgen zu treffen“, kommentiert François Benoy.
Rein in die Handlung: jetzt!
Nach diesem Rekordsommer ist es unumgänglich, dass alle Regierungsmitglieder in ihren Verantwortungsbereichen den Kampf gegen die Klimakrise mit deutlich mehr Kohärenz, Konsequenz, Tempo und finanziellen Mitteln vorantreiben. Das heißt auch ganz konkret dort anzusetzen, wo die Menschen die Klimakrise am meisten spüren, wo der Ausstieg aus Öl und Gas heute noch zu schwierig ist und wo widersprüchliche politische Entscheidungen Klimaschutz konkret ausbremsen.
déi gréng fordern deshalb:
1- Öffentliche Gelder sollen die klimafreundliche Wahl erleichtern – Ab 2027 keine Steuergelder für fossile Energien mehr. Staatliche Subventionen und Steuervorteile müssen den Menschen und Betrieben den Umstieg auf klimafreundliche Lösungen erleichtern, statt Investitionen in fossile Technologien weiter attraktiv zu machen. Deshalb sollen ab dem Budget 2027 keine staatlichen Förderungen oder Steuervergünstigungen mehr Investitionen in fossile Technologien fördern oder den Verbrauch fossiler Energien künstlich verbilligen.
2- Der Ausstieg aus Öl und Gas muss für alle möglich sein – Die Transition auch für Mieter*innen zugänglich machen. Wer zur Miete wohnt, kann zwar seine Strom- oder Gasrechnung bezahlen, aber nicht selbst entscheiden, ob die Wohnung besser isoliert, das Fenster erneuert oder die Heizung ausgetauscht wird. Deshalb fordern déi gréng auch für Eigentümer*innen einen echten Anreiz zur Sanierung: Wer als Vermieter*in in die energetische Qualität seiner Mietwohnung investiert, soll bevorteilt werden im Vergleich zu jemandem, der eine schlecht isolierte Wohnung unverändert weitervermietet. Gleichzeitig sollten Mieter*innen, die in energetisch schlechten Wohnungen wohnen, mit einem Bonus bei der Mietsubvention unterstützt werden.
3- Menschen entlasten und die Klimawende gerecht finanzieren – Europäische Übergewinnsteuer für die Fossilgiganten. Wer mit fossilen Energien außergewöhnliche Gewinne erzielt, soll einen fairen Beitrag zur Klimawende leisten. Deshalb soll sich die Regierung auf europäischer Ebene für ein dauerhaftes Instrument zur Abschöpfung außergewöhnlicher Gewinne der fossilen Industrie einsetzen. Die Einnahmen sollen gezielt dafür genutzt werden, Menschen vor den Folgen der Klimakrise zu schützen und den Umstieg auf saubere Energien zu erleichtern.
„Wir wollen die Spielregeln der Transformation ändern: Fossile Übergewinne sollen den Ausstieg aus fossilen Energien mitfinanzieren, die Energiewende muss auch für Mieterinnen und Mieter funktionieren, und kein Steuergeld darf mehr in neue fossile Sackgassen fließen. Statt einer Gadget-Politik aus kleinen Maßnahmen und PR-Stunts braucht es endlich eine klare Richtung“, schlussfolgert Meris Sehovic.