2. März 2026
PFAS im Blut? Welfring und Bernard lassen sich testen
PFAS (per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen) werden auch „Ewigkeitschemikalien“ genannt, da sie kaum bis gar nicht abgebaut werden und sich in der Umwelt anreichern. PFAS umfassen eine riesige Gruppe synthetischer Chemikalien. Mehr als 14.000 Substanzen wurden bisher katalogisiert. Sie werden in vielen industriellen Prozessen verwendet (z.B. in der Papier- oder Halbleiterherstellung), in der Agrochemie, befinden sich aber auch in alltäglichen Gebrauchsgegenständen wie z.B. Pfannen, Feuerlöscher, wasserabweisende Textilien, Verpackungen, Elektronik, Kosmetika…
Dieser Einsatz ist problematisch, da PFAS mit einem höheren Risiko für Krebs, Unfruchtbarkeit und Schäden an inneren Organen in Verbindung gebracht werden. Auch eine reduzierte Antikörperreaktion auf Impfstoffe ist erwiesen, sowie neurotoxische Effekte. Für Tiere wirken PFAS ebenfalls toxisch, reichern sich in Organismen an und gefährden ganze Ökosysteme.
Die Belastung ist längst strukturell
In den vergangenen Jahren haben insbesondere internationale Medienrecherchen sowie die Arbeit von PAN Europe und deren Partnerorganisationen entscheidend dazu beigetragen, die Problematik der PFAS- und TFA-Belastung in Europa ins öffentliche Bewusstsein zu rücken. Eine neue Dringlichkeit hat die Debatte insbesondere durch die in den letzten zwei Jahren stark angewachsene Evidenz zur weiten Verbreitung von TFA (Trifluoressigsäure, ein Abbauprodukt von verschiedenen PFAS) erhalten. Untersuchungen in Gewässern, Böden, Trinkwasser, Getreideprodukten, Wein und zahlreichen alltäglichen Konsumgütern zeigen: Die sogenannten „Ewigkeitschemikalien“ sind längst kein Randphänomen mehr.
Vor diesem Hintergrund haben sich Joëlle Welfring und Djuna Bernard dazu entschieden, ihre eigene PFAS-Belastung testen zu lassen – um dieser Umweltdebatte eine weitere greifbare Dimension zu geben.
Die Blutproben wurden mittels eines standardisierten Home-Test-Kits entnommen und in einem spezialisierten Labor auf 13 PFAS analysiert. Die wissenschaftliche Einordnung der Resultate erfolgte durch Expert*innen des European Environmental Bureau auf Basis bestehender europäischer Referenzwerte und Studien.
PFAS im Blut
Beide Abgeordneten wurden positiv auf mehrere PFAS-Verbindungen getestet.
Von 13 untersuchten PFAS-Chemikalien wurden bei Joëlle Welfring fünf und bei Djuna Bernard vier nachgewiesen. Bei beiden waren PFOA, PFNA, PFHxS und PFOS im Blut feststellbar. Die gemessenen Werte liegen im Bereich der durchschnittlichen europäischen Hintergrundbelastung. Es handelt sich nicht um außergewöhnliche Einzelfälle, sondern um ein Abbild dessen, was europäische Biomonitoring-Programme seit Jahren zeigen: PFAS sind in der Bevölkerung angekommen.
Alle fünf der in den Bluttests nachgewiesenen Stoffe sind heute in der EU reguliert. PFOS, PFOA und PFHxS sind beispielsweise seit 2010, 2020 bzw. 2022 über das Stockholmer Übereinkommen weltweit verboten, mit Ausnahme von ein paar Einsatzbereichen.
Djuna Bernard, gesundheitspolitische Sprecherin von déi gréng, stellt fest: „Dass diese Stoffe trotz Restriktionen weiterhin in unserem Blut vorhanden sind zeigt, wie langfristig die Folgen chemischer Belastungen sind. Gesundheitsschutz beginnt nicht erst im Krankenhaus, sondern mit sauberem Wasser, unbelasteten Lebensmitteln und vorsorgender Chemikalienpolitik. Je früher wir Emissionen an der Quelle stoppen, desto besser schützen wir die Gesundheit aller Menschen.“
Keine Zeit für halbe Sachen
Eine rezente Analyse der europäischen Kommission zeigt auch, dass es deutlich kostengünstiger ist PFAS an der Quelle zu stoppen, als die Schäden später durch Wasseraufbereitung, Bodensanierung und Gesundheitskosten zu beseitigen. Jeder Tag des Zögerns vergrößert die Belastung für Umwelt, Gesundheit und Staatsbudget.
Deswegen haben déi gréng bereits im März 2025 die Regierung aufgefordert, einen nationalen Anti-PFAS-Plan vorzulegen. Unsere Motion wurde jedoch abgelehnt. Stattdessen wurde auf den zivilgesellschaftlichen und politischen Druck hin eine interministerielle Arbeitsgruppe eingesetzt, deren Schlussfolgerungen sich seit Monaten „in Finalisierung“ befinden.
Während andere Länder wie Frankreich oder Dänemark bereits nationale Maßnahmen ergriffen haben, scheint Luxemburg weiterhin abzuwarten. Joëlle Welfring, umweltpolitische Sprecherin von déi gréng kritisiert:
„Sich hinter Brüssel weg zu ducken kann nicht die Strategie sein. Die Regierung muss sich klar zum Schutz vor PFAS- und TFA-Verschmutzung bekennen. déi gréng sprechen sich weiterhin für einen umfassenden nationalen Anti-PFAS-Plan aus. Neben einer verbesserten Überwachung der Belastung ist eine klare Reduktionsstrategie notwendig, ergänzt durch Beratung und finanzielle Unterstützung für den Umstieg auf Alternativen. Internationale Beispiele zeigen, dass ein solcher Ansatz umsetzbar ist.“
Mehrfachbelastung statt Einzelfall
Unsere Gesellschaft steht vor einer doppelten Herausforderung: immer mehr potenziell toxische Stoffe gelangen in dem Umlauf, während die Risikobewertung hinterherhinkt. EU-weit gibt es bislang nur für PFOA und PFOS gesundheitsbasierte Leitwerte; für die meisten anderen PFAS fehlen ausreichende Daten. Zudem werden regulierte Stoffe häufig durch ähnliche, ebenfalls unzureichend erforschte Ersatzstoffe ersetzt.
PFAS sind zudem nur ein Teil des Problems. Auch Pestizidrückstände, Weichmacher, Schwermetalle oder Mikroplastik wirken zusammen. Der „Cocktail-Effekt“, also die Wechselwirkungen zwischen mehreren Chemikalien, wird bis heute größtenteils ignoriert.
Gerade deshalb dürfen die europäischen Chemikalienregeln nicht geschwächt, sondern müssen gestärkt werden.
Europäische Verantwortung wahrnehmen
Denn auch auf EU-Ebene steht die Regulierung von PFAS an einem entscheidenden Punkt.
Einige europäische Länder stellen sich bereits die Frage, ob PFAS umfassend verboten werden sollten, und derzeit läuft bei der Europäischen Chemikalienagentur eine umfangreiche Prüfung einer möglichen europaweiten Beschränkung dieser Stoffgruppe.
Gleichzeitig wächst im Zuge der „Omnibus“-Debatten der Druck, Umweltstandards im Namen der Wettbewerbsfähigkeit zu lockern. Dazu erklärt Tilly Metz, Europaabgeordnete von déi gréng:
„Wettbewerbsfähigkeit heißt nicht, an gesundheits- und umweltschädlichen Stoffen festzuhalten. Es heißt, Innovation zu fördern und gezielt in sichere Alternativen zu investieren. Wenn die EPP in Brüssel Maßnahmen gegen PFAS unterstützt, muss die CSV auch in Luxemburg entschlossen handeln.“
PFAS-freie Alternativen sind nicht nur ein Gebot des Gesundheits- und Umweltschutzes, sondern auch eine mögliche strategische Chance für die europäische Wirtschaft.
Forderungen von déi gréng
o für ein weitreichendes Verbot von PFAS-Stoffgruppen, mit Ausnahmen für klar definierte, unverzichtbare Anwendungen
o für gruppenbezogene Regulierung statt Einzelverbote, um bedauerliche Substitutionen zu verhindern
o für bessere Chemikalienregulierungen im Sinne der Bürger*innen: strengere Regeln für ihr Inverkehrbringen und die systematische Berücksichtigung von Mischwirkungen
o für eine Kennzeichnungspflicht im Sinne der Konsument*innen
o für die Förderung von PFAS-freien Alternativen als strategischer Faktor für Innovation und europäische Wettbewerbsfähigkeit
o für die Verstärkung des Verursacherprinzips: die Kosten der PFAS-Verschmutzung dürfen nicht bei den Steuerzahler*innen landen!